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50. Radball Grümpi

Es war Paul Walliser, der dem Mosliger Grümpi vor 50 Jahren als OK-Präsident vorstand.

Bike-Weltmeisterin Ramona Forchini, links, und Olympia-Medaillengewinnerin Linda Indergand gehören zu den vielen Prominenten, die sich beim Grümpi schon mit dem Radball-Velo versuchten.

Georg Meile (links) und Paul Oberhänsli: Die beiden wohl grössten Mosnanger Radball-Legenden, waren in früheren Jahren Stammgäste beim Grümpi.

Sandro Koller ist seit 2022 OK-Präsident des Mosliger Radball-Grümpi.
Es begann 1974 mit einer Handvoll Mannschaften. Heute treffen sich an zwei Wochenenden jeweils über 200 Teams beim Mosliger Grümpi. Ab Donnerstag findet es zum 50. Mal statt. Paul Walliser, vor fünf Jahrzehnten erster OK-Präsident, schaut zurück.
Der RMV Mosnang hat in diesem Jahr doppelten Grund zur Freude. Ende August feierten die Radballer das 100-Jahr-Jubiläum des Vereins. Nun geht ab nächstem Donnerstag zum 50. Mal das «Grümpi» über die Bühne. Gespielt wird an zwei Wochenenden.
Der heute 82-jährige Paul Walliser amtete 1974 bei der ersten Austragung als OK-Präsident. Obwohl er selbst nie Radball gespielt hat, organisierte er während vieler Jahre das «Grümpi» und war gleichzeitig Vereinspräsident. Er hat die Anfänge des Turniers miterlebt. Damals kam eine Handvoll Mannschaften. Heute sind es über 200.
Das Grümpi in der Silbermine
Erstmals erwähnt wird das Grümpelturnier in der Chronik des RMV im Jahr 1948 erwähnt. Gleichzeitig findet sich darin ein Bericht über das erste neuzeitliche RMV-Plausch-Turnier in der Saison 1974/1975, aus dem ein sportlicher Anlass herausgewachsen ist, der gerne als «grösstes Radball-Turnier der Welt» bezeichnet wird.
Hierzu sagt Paul Walliser: «Bevor wir 1974 erstmals das ‹Grümpi› in Mosnang organisierten, fand es jeweils im Freihof statt.» Das Gasthaus zwischen Dreien und Mühlrüti ist auch als «Silbermine» bekannt. «Wir mussten sogar das Holz selbst mitbringen, um den Saal aufzuheizen», sagt Walliser weiter und lacht. Von den Dimensionen sei es nicht mit dem Turnier von heute vergleichbar. Teilgenommen hätten jeweils nur ein paar wenige Mannschaften.
Findet das «Grümpi» heute in der Turnhalle des Oberstufenzentrums statt, wurde es in den ersten Jahren unter OK-Präsident Paul Walliser im Primarschulhaus durchgeführt. Aber nicht wie vermutet in der Turnhalle. «Dort durfte man nicht Radball spielen», sagt Walliser. Darunter befindet sich aber ein Aufenthaltsraum für das Militär. Diesen durften die Radballer für ihr «Grümpi» nutzen. Und wohin wurden die Betten gestellt? «Es gab keine Betten», sagt Walliser lachend. «Die Militaristen schliefen auf Strohsäcken oder in ihren Schlafsäcken auf dem kahlen Boden.»
Wie lange Paul Walliser das Doppelmandat Vereinspräsident/OK-Präsident innehatte, kann er heute nicht mehr genau sagen. Sieben Jahre waren es aber mindestens. Nach seinem Rücktritt 1981 ist er zum Ehrenmitglied des RMV Mosnang ernannt worden.
Keine sportlichen Spuren hinterlassen
Obwohl der gebürtige Mosliger seit über sechs Jahrzehnten Mitglied des Vereins ist, hat er sportlich keine Spuren hinterlassen. «Ich habe ausser beim ‹Grümpi› nie Radball gespielt.» Ihm hätte zum einen die Zeit und zum anderen wohl auch das Talent gefehlt. Das heisst aber nicht, dass er sich nicht auf dem Laufenden hielt, wie sich seine Schützlinge auf dem Parkett aus der Affäre zogen.
«Ich war bei vielen Wettkämpfen im In- und Ausland als Zuschauer dabei», sagt er. Kenner der Radball-Szene dürften wissen, dass die Mosliger Radball-Legenden Georg Meile/Paul Oberhänsli in den 70er- und 80er-Jahren zur absoluten Weltspitze gehörten und in ihrer Karriere mit zehn WM-Medaillen in die Heimat zurückkehrten. Walliser sagt: «Da war ich bei so manchem Fest mit dabei.»
Eines ist dem gelernten Zimmermann, der sich als 25-Jähriger selbständig machte, wichtig: «Ich war der Handwerker. Die Schreibarbeiten erledigte Klärli Meile. Ohne sie wäre der Laden kaum gelaufen.» Dennoch erinnert sich Walliser daran, dass er einer der ersten war, die eine elektronische Schreibmaschine anschafften. Für die jüngere Generation: Das war ein Utensil, das vor über drei Jahrzehnten vom Computer abgelöst wurde.
Gab es für den dreifachen Familienvater, der mit Ehefrau Rosmarie im Mosliger Unterdorf lebt, auch etwas anderes als die Arbeit und den RMV Mosnang? «Klar», sagt er. «Ich war Mitglied beim Skiclub Libingen. Wir sind oft vom Dorf hinauf zur Kreuzegg gelaufen und von dort mit den Ski wieder heruntergefahren.» Ob früher alles besser gewesen sei, darüber möchte er sich keine Meinung bilden. «Vielleicht war es etwas härter, sich etwas zu erarbeiten, denn heute wird einem zu vieles bereits in die Wiege gelegt.»
Früher die Velos finanziert
Auf alle Fälle freut sich Paul Walliser, dass «sein Grümpi» nun schon zum 50. Mal durchgeführt wird. Seit 2022 steht Sandro Koller als OK-Präsident an der Spitze. Eigentlich wäre es ja schon die 51. Austragung, aber im Coronawinter 2020/2021 konnte es nicht stattfinden. Stattdessen veranstalteten die Radballer ein Kuhfladen-Lotto.
Und die Pandemie konnte auch nicht verhindern, dass sich das Turnier weiterhin prächtig entwickelt. Waren es gemäss Walliser in den Anfangsjahren rund 15 Mannschaften, hat sich dieser Wert bei rund 200 eingependelt. Die Schallgrenze von hundert Teams wurde schon vor 42 Jahren erstmals durchbrochen.
Man darf also getrost vom «grössten Radball-Turnier der Welt» sprechen. Wurde das «Grümpi» einst ins Leben gerufen, um die nicht ganz günstigen Radballvelos zu finanzieren, trägt der Anlass, der vor Weihnachten startet und kurz vor Silvester endet, noch heute dazu bei, die Vereinsfinanzen im Lot zu halten.
